EINEN BOGEN BAUEN -WARUM ?

Irgendwann in der Geschichte der Menschheit entdeckten unsere Vorfahren, welche Kraft in einem Stück Holz stecken kann, wenn man es nur weit genug biegt. Vielleicht liefen gerade zwei Jäger durch den Wald und der Vorangehende machte sich einen Spaß mit dem Nachfolgenden, indem er den Ast eines Baumes bog und zurückschnellen ließ (sorgt auch heute noch für Heiterkeit), vielleicht war es auch ganz anders. Jedenfalls wurde es, nachdem man vorher noch die Schnur erfunden hatte, möglich, den Bogen zu erfinden.

Und dieses Ding hatte im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagenden Erfolg. Es vereinfachte und beschleunigte sowohl die Nahrungsbeschaffung als auch die Beseitigung von Artgenossen. Es war eine der ersten Maschinen, die der Mensch erfand. Einfach, aber effizient. Entstanden aus der Notwendigkeit.

Heute beschaffen die meisten Menschen ihre Nahrung durch Tausch und die Beseitigung von Artgenossen ist strengstens verboten. Warum sich also einen Bogen anschaffen ?

Die Antwort hierauf ist die gleiche wie die Antwort auf die Frage, warum man sich einen Fußball anschafft. Bogenschießen ist heute eine Freizeitbeschäftigung, bei der man sich im sportlichen Wettkampf mit anderen messen kann.

Warum nun aber unbedingt einen Bogen selber bauen ? Schließlich bauen sich doch auch nur die wenigsten Fußballspieler ihren Ball selber!

Das Bogenbauen an sich ist aus mehreren Gründen interessant und faszinierend:

  •  Pfeil und Bogen aus historischer Sicht: wann und wo tauchen welche Bogenarten auf und wie beeinflussen sie die jeweilige Zeitepoche.
  • in physikalischer, naturwissenschaftlicher Hinsicht: es erleichtert das Verständnis der physikalischen Vorgänge beim Bogenschießen; es macht die unterschiedlichen Eigenschaften des Werkstoffes Holz praktisch begreifbar.
  • in handwerklicher Hinsicht: man erlernt bzw. trainiert den richtigen Umgang mit einfachen Handwerkzeugen wie Zugmesser, Schweifhobel, Raspel, Feile, Schaber; es schult das Augenmaß beim Beurteilen des Tillers, denTastsinn der Finger beim Begreifen der Wurfarme,das Gehör beim Materialabtrag.
  • die Verbindung von Funktion und Ästhetik: die Formgebung,die schlichte Schönheit der Holzmaserung und die abschließende Oberflächenbehandlung lassen den fertigen Bogen zu einem ansehnlichen Stück Handwerkskunst werden; über dieses schmückende Element hinaus hat man sich ein Gerät, eine einfache Maschine erschaffen, an deren Funktion man sich immer wieder erfreuen kann.
  • es macht schlicht und ergreifend einfach Spaß: ein Viertel eines Baumstammes, ein starrer Prügel, verwandelt sich durch konzentriertes Arbeiten in einen sich geschmeidig biegenden Bogen, die Grundlage für eine schöne Sportart.